Ein Tag an der Ahr im Hochwassergebiet von Janine Heck

Was machen Genießer, wenn sie ein paar Tage frei haben? Natürlich – wir reisen und sind auf der Suche nach neuen Genusserlebnissen. Ich beschloss nach Leiwen an die Mosel zu fahren, um das Weingut Nikolaus Köwerich zu besuchen. Treue Leser/innen kennen Familie Köwerich von Instagram oder dem „Spargel und Wein“-Artikel. Ein kleines und doch sehr feines Rieslingweingut geführt von Nick und Anette Köwerich.

Ich möchte euch berichten, wie ich einen Tag meiner Moselreise unterbrochen habe, um in Mayschoß zu helfen. 

Doch wie kam es dazu? Reisen wir kurz einige Monate zurück.

Durch die Kurzarbeit und meine Leidenschaft für guten Wein, habe ich als Aushilfe im Weingut Axel Bauer angefangen zu arbeiten. Ein Weingut in Bühl, mit ca. 20 ha Rebfläche und im Büro Betriebsleiter und Kellermeister Torsten Klein. Vom ersten Tag an, wurde ich in alle betrieblichen Abläufe eingebunden und lerne unheimlich viel über Wein sowie das ganze Drumherum. 

Am Morgen des 15. Juli hat mich Torsten angerufen: „Notfall, bitte komme ins Weingut. Ich muss nach Hause zu meiner Familie, ich kann meine Mutter nicht erreichen“. 

Torsten ist gebürtig aus Mayschoß. Der Ort Mayschoß im Ahrtal gehört zu den am schwersten betroffenen Orte der Hochwasserkatastrophe vom 14. – 15. Juli 2021. Kein Strom, kein Handynetz, Straßen und eine Eisenbahnbrücke durch die Flut weggespült. Wasser in den Häusern, teilweise bis in das erste Obergeschoss. Balkone weggerissen, Fenster durch die Wucht des Wassers eingeschlagen oder mitgespülte Gegenstände. Das bisher höchste Hochwasser lag bei 3,7 m, dieses Mal waren es mehr als 7 m. Ein Ausmaß mit dem keiner gerechnet hatte. 

Erschütternde Bilder sind in den Nachrichten und in den sozialen Medien zu sehen. Mein erster Gedanke war: „Das kann doch nicht Europa sein!“ Auch die Erzählungen und Bilder von Torsten selbst sind schrecklich. 

Dem Weindorf ist es gelungen, einen eigenen Krisenstab zu organisieren und jeder im Dorf packt mit an. Seine Familie hatte „Glück im Unglück“ und konnten in ein höhergelegenes Haus der Familie ausweichen. Torsten ist seit dem Unglück regelmäßig in Mayschoß um seinem Dorf zu helfen.

In Leiwen an der Mosel sind alle glimpflich davongekommen. Das Dorf hatte sich schon getroffen zum Sandsäcke füllen, blieb jedoch vom Schlimmsten verschont. 

Die Weinwelt ist klein und wir wollten gerne helfen. Ein Anruf bei Torsten Klein und wir hatten einen Ansprechpartner der Winzergenossenschaft in Mayschoß, den Treffpunkt sowie eine Durchfahrtsgenehmigung. 

Am nächsten Tag brachen wir auf. Gerüstet mit Rebscheren, Gummistiefeln, Nervennahrung und einer ausführlichen Wegbeschreibung. Auf Grund der großen Hilfsbereitschaft waren einige Straßen von der Polizei gesperrt, um den Andrang unter Kontrolle zu halten. Dadurch zog sich die Fahrt ziemlich in die Länge und unsere Geduld wurde auf die Probe gestellt. 

Die beste Wegbeschreibung bringt jedoch leider nichts, wenn man an den richtigen Stellen nicht durchgelassen wird (trotz Durchfahrtsgenehmigung). Und so führte uns der Weg direkt nach Resch. Eigentlich war der Plan Mayschoß „von Hinten“ über den Berg anzufahren und nun standen wir am Fuße von Mayschoß. Zwischen Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, THW, Bundeswehr, Anwohner/innen und den großen Einsatzfahrzeugenahrzeugen kamen wir uns ziemlich fehl am Platz vor. Wir erhielten erste Einblicke auf das Ausmaß der Zerstörung. Es begegnete uns keine Person ohne Schlamm auf Schuhen und Kleidung. Überall waren Berge aus Müll, Holz und sonstigen mitgerissenen Gegenständen. Und erneut wurden wir nicht durchgelassen bzw. war die Weiterfahrt nicht mehr möglich mit einem PKW. Die Zugangsstraße nach Mayschoß wurde komplett zerstört und ist bisher nun provisorisch erneuert worden. Somit mussten wir die letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen und liefen über den Rotweinwanderweg zum Treffpunkt. 

Auf unserer kleinen Wanderung mit Blick nach unten auf Resch und Mayschoß, sah man immer mehr die Realität. Mit fast 2 Stunden Verspätung gelangten wir endlich zu der Gruppe im Weinberg.

Das Hochwasser war nun schon fast 14 Tage vergangen und die Reben waren ordentlich gewachsen. Durch das viele Laub und die Feuchtigkeit kann es schnell zur Fäule kommen. 
Ein Ausfall der Lese oder verfaultes Lesegut, wäre die nächste Katastrophe für die Weinorte an der Ahr. 

Wir bekamen eine kurze Einweisung und legten auch schon los mit dem Rebschnitt. Nach und nach stießen weitere Helfer/innen dazu. Wir waren nicht die Einzigen, die eine lange und erschwerte Anreise hatten. 

Steile und steinige Rebanlagen, Einzelstockkultur, die Sonne und stark bewachsene Gassen machten die Arbeit nicht leicht. Bei mir in der Gruppe war ein älterer Herr aus dem Dorf, der einen Teil der Reben bewirtschaftet. Wir schnitten parallel zueinander und er berichtete, wie er die Nacht des Hochwassers erlebt hat. Sein Zuhause war bis ins Erdgeschoss geflutete. Sein Keller ist mittlerweile Wasser- und schlammfrei. Der nächste Schritt wäre die Desinfektion -sagte er mir. Heute Morgen konnte er nichts tun und kam deshalb in die Reben. 

Gegen Mittag gingen unsere mitgebrachten Getränke aus und er lud uns ein mit an die Kirche zu kommen. 

Die Kirche St-. Rochus ist die Hauptanlaufstelle der Bürger/innen und Helfer/innen. Hier gibt es Lebensmittel, Getränke, medizinische Versorgung, Toiletten, Duschen, Powerbanks, Kleidung, Hygieneartikel, Benzin für Maschinen und Stromaggregate etc. . Ein Teil in der Kirche, ein Teil davor unter Pavillons. Wir wurden herzlich empfangen und bestens versorgt. 

Ich setzte mich auf eine Mauer mit meinem Sandwich und beobachtete das Geschehen um mich. Helfer/innen beim Mittagessen, ein Fahrzeug der Feuerwehr bringt frisches Wasser für die Duschen und Toilettenwagen, eine Frau verteilt Powerriegel, immer wieder fliegen Helikopter über unsere Köpfe. 

Beindruckend wie keiner im Dorf den Kopf hängen lässt. Alle waren sehr freundlich und dankbar über die Hilfe jedes Einzelnen. 

Am späten Nachmittag brachen die ersten Helfer/innen wieder auf. Auf dem Anhänger des Traktors wurden die einzelnen Gruppen näher an ihre Autos gefahren. Wir bekamen noch ein kleines Rebstück zugewiesen und schnitten weiter. Nach getaner Arbeit auf dem Weg zurück zur Straße, kam mir ein Mann entgegen. Er meinte, er suche die Reihen, die noch nicht fertig geschnitten wären. Tatsächlich hatten wir schon alle Reihen auf dieser Seite geschnitten. Der ältere Herr war völlig begeistert, bedankte sich ganz herzlich und konnte es kaum fassen. Er schwärmte von der Hilfsbereitschaft und den vielen Spenden die Mayschoß erreicht.
Er dankte uns für den weiten und schweren Weg, den wir auf uns genommen haben und der Arbeit, die wir ihm abgenommen haben. Er berichtete uns, dass er heute seine Frau ins Pflegeheim bringen musste, da sie dort besser versorgt wird. Dieses Gespräch und die Dankbarkeit berührte mich sehr. 

Ich war nicht auf Dank aus. Ein Tag im Weinberg bei dem Ausmaß der Zerstörung kam mir bis zu dieser Begegnung vor wie nichts. Und doch überraschte mich die Dankbarkeit der Menschen. Familienmitglieder oder Freunde verloren, persönliche Gegenstände weggespült, der Keller voll mit Schlamm oder Wasser bis unter die Decke im 1. OG, Plätze der Erinnerungen und Freude sind weg – und trotz allem ein herzliches Lächeln und Dank für die Hilfe. 

Nun stand dann doch auch die Rückreise an. Wieder bepackt mit unseren Gummistiefeln und Rebscheren auf dem Anhänger, erlebten wir die holprige Fahrt wieder sehr geerdet. Das Hochwasser war vor ca. zwei Wochen. Überall an den Häusern war zu sehen, wie hoch das Wasser stand. Wir sahen eine Menschenkette, die den Schlamm mit Eimern aus einem Keller schaufelte. Einer der Helfer schenkte mir ein Lächeln und ich winkte ihm zu. Freude ging durch die Gruppe. Also machten wir es uns nun als neue Aufgabe: Grüßen, lächeln und winken. 

„Ein Lächeln bedeutet nicht, dass jemand glücklich ist. Manchmal bedeutet es nur, dass er stark ist.“ —  Zayn britischer Pop- und R&B-Sänger 1993

Zwischen Mayschoß und Resch sind wir dann über die provisorische Straße, vorbei an der eine Brücke, an der rechts und links die Gleise hängen wie eine Hängebrücke, gefahren. Reben flach am Boden, Bäume, an denen sich Geröll und Müll gesammelt hat oder einfach Fläche, auf der nichts mehr ist – nichts. 

Bilder die wir nie vergessen werden und zeigen, dass wir dringend spenden müssen.

Ich danke Annette Köwerich von Herzen für ihre Begleitung auf unserem kleinen Abenteuer und ihre Geduld. Zuhause angekommen, gönnten wir uns direkt eine Dusche und bei einem Glas Riesling berichteten wir von unserem Tag.

Und nun noch eine paar Zeilen zu der Spendenaktion die das Weingut Axel Bauer für Mayschoß ins Leben gerufen haben:

Wein trinken für die Ahr!

Torsten hat ein Paket mit 3 Weinen zusammengestellt und wir werden den Erlös der verkauften Pakete direktan seinen Heimatort Mayschoß spenden. 

Die Ahr steht für Spätburgunder / Pinot Noir und das 3er-Paket wird deswegen mit folgenden Weinen bestückt:

2018 Handwerk Pinot Noir trocken

Saftige Kirscharomatik, dezente Röstaromen vom Barriqueausbau, dunkle Waldfrüchte, Weichsel. Sehr saftig mit viel Zug, wohlproportionierter Körper mit jugendlichen Tanninen, die bereits gut integriert sind.

2019 Handwerk Pinot Noir Rosé 

Frucht pur – reife Walderdbeeren, frische Himbeeren und saftige Kirschen – ein Wein mit schönem Säure-Süße-Verhältnis. 

Exklusive für Sie und nur jetzt schon in diesem Paket erhältlich (offizieller Start nicht vor 2022):

2019 Handwerk Pinot Noir trocken

Ein druckvoller Pinot Noir der sich zugleich am Gaumen harmonisch und elegant präsentiert. Ein saftiges Tannin und eine ausgeprägte Frucht sorgen für einen langen Abgang.

Wein genießen und mit dem Erlös Torsten und sein Dorf – Mayschoß unterstützen. 

Das Paket „Fluthilfe Ahr-Hochwasser 2021“ kostet 50,- Euro (versandkostenfrei). Der Erlös unserer Spendenaktion kommt 1:1 den Opfern der Flutkatastrophe zugute.

Wir hatten uns das Verkaufsziel von 150 Paketen gesetzt und es schon erreicht. Wir sind begeistert und sehr dankbar!

Falls Sie trotzdem gerne noch an die Gemeinde Mayschoß spenden möchten:

Spenden – Nothilfe Mayschoß

VR-Bank eG Würselen
DE29391629801017197025

https://mayschoss.de




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1 Kommentar
  1. Andreas Smolle sagte:

    Man kann es kaum glauben, wenn man diese Bilder sieht, welch unvorstellbare Zerstörung diese verheerenden Unwetter mit sich gebracht haben. Die Hilfsaktionen vieler Weingüter und Spenden sind ein erster, wichtiger Schritt die unzähligen Notlagen zu entschärfen. Allen die sich daran beteiligt haben ist Dank und Hochachtung auszusprechen! We AHR Family!

    Antworten

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